lebendiges zeugnis
Die theologische Schriftenreihe des Bonifatiuswerks der deutschen Katholiken

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Geschichte

Inhalt

Von der „Akademischen Bonifatius-Correspondenz“ zum „Lebendigen Zeugnis“

Zur Geschichte einer religiös-wissenschaftlichen Zeitschrift

Am Anfang stand die A.B.E., die Akademische Bonifatius-Einigung. Sie war entstanden durch den Zusammenschluss akademischer Bonifatius-Vereine. Erste Ansätze zu dieser Idee lassen sich noch im Gründungsjahr 1849 des Bonifatiuswerkes nachweisen. Erste Vereine treten 1867 in Paderborn und Münster ins Leben. Studenten und Akademiker wollen auf ihre Weise „voll Eifer und Mut“ mithelfen, „damit mehr und mehr die Not unserer Mitbrüder in der Diaspora gemildert werde“. (vgl. in G. Riße/Cl. Kathke, Diaspora: Zeugnis von Christen für Christen, Paderborn 1999: B. Neumann, Solidarität und Glaubenszeugnis, S. 78f.).


Diesem Zusammenschluss, denen schnell „aus allen deutschen Lande“ Vereine beitreten, Einheitlichkeit und Zusammenhalt zu geben, Entfaltung und Verbreitung zu fördern, wird 1884 die „Akademische Bonifatius-Korrespondenz“ (ABK) – damals „Correspondenz“ – als Zentralorgan gegründet. In den Statuten von 1888 über die Zeitschrift heißt es:

"Der Zweck der ‚Correspondenz’ ist die Herstellung schriftlicher Communikation der einzelnen Akademischen Bonifatius-Vereine zum Behufe freundschaftlicher Verknüpfung, gegenseitiger Stärkung, Förderung und Anregung." (ABK Nr. 11 vom 22. 12. 1888, S. 372.).

Inhalt soll sein neben dem Redaktionsbericht, ein allgemeiner Teil mit Abhandlungen, Reden, Gedichte sowie Nachrichten aus dem akademischen Leben und den Diasporagemeinden. Ein weiterer, der besondere Teil soll Geschäftsbericht, Mitteilungen aus der Vereinsführung, den Generalversammlungen und den einzelnen Vereinen enthalten.

Von Anfang an findet diese Zeitschrift „für die religiösen Interessen katholischer Studenten deutscher Nation“ das Wohlwollen des Bonifatiuswerkes. Den Druck besorgt die von Vorstandsmitgliedern des Bonifatiuswerkes gegründete Bonifatiusdruckerei. Die Redaktion wechselt regelmäßig und ist an dem Verein gebunden, der jeweils mit der Leitung der Verbandsangelegenheiten betraut ist (Vorort).

In der Hoffnung „dass sie jetzt ihre Lebenskraft voll entfalten kann“ (ABK Nr. 49 vom 15. Dezember 1907, S. 1728), beschließt die Generalversammlung vom August 1907 in Würzburg, die Leitung der Korrespondenz einem ständigen Redakteur zu übertragen. Erster hauptamtlicher Redakteur wird der „literarisch hochbegabte“ römische Korrespondent der Kölnischen Rundschau, Pfarrer Johannes Mumbauer aus der Diözese Trier. (vgl.: Benkart/Ruf, Studentenseelsorge – Geschichte und Gestalt, Paderborn 1965, S. 121.). Außerdem beschließt sie die Jahresausgaben auf vier zu verdoppeln und das Abonnement freizugeben. Ausdrücklich werden die ehemaligen Mitglieder des Akademischen Bonifatius-Vereins und die Freunde der katholischen Studenten zum Abonnement aufgefordert.


Zum 50 jährigen Bestehen der ABE erscheint im Sommersemester 1917 eine Sonderausgabe, die in über 20.000 Exemplaren an die Studierenden, die im Kriege eingezogen sind, geschickt wird. Die Ausgabe enthält einen Spendenaufruf für den Bau einer Gedächtniskirche für die im Kriege gefallenen Akademiker. November 1923 erhält die Akademiker-Gedächtniskirche St. Georg, die mit den Spenden in Leipzig-Gohlis errichtet werden konnte, ihre Weihe.

Die Korrespondenz entwickelt sich zu der katholischen Akademiker Zeitschrift, die schon bald in den Lesezimmern der Universitätsbibliotheken aufgelegt wird. Durch die gediegenen, wissenschaftlich sauber recherchierten und redigierten Aufsätze zu Fragen der Zeit gewinnt sie an Ansehen und Beachtung. In den 30er Jahren erreicht sie unter allen religiös-wissenschaftlichen Zeitschriften in Deutschland die höchste Auflage.

Neben der ABK gibt die ABE von Mitte 1934 bis Ende 1935 eine Schriftenreihe  unter dem Titel „Der Christ in der Zeit“ heraus. Die 16 Ausgaben behandeln zeitnahe Fragen in Auseinandersetzung mit den aufkommenden Ideologien. Sie wollen „dem religiösen Aufbau des katholischen Volkes dienen“ und andererseits „jene Versuche zurückweisen, das Christentum im deutschen Volke durch andere Religionssysteme zu ersetzen“. (vgl. Benkart /Ruf, ebd. S. 126.). Die Autoren, unter ihnen der Jesuitenpater und Hitlergegner Franz Muckermann, stehen mit ihrem Namen für die Veröffentlichung ein. Sie behandeln Themen wie „Christentum und Deutschreligion“, „Die Euthanasie“, „Mythos oder Religion“, „Die altgermanische Religion und der Christ in unserer Zeit“, „die Kirche Christi als Kirche der Völker“.


Nach Anordnung der Fachschaft der katholisch-kirchlichen Presse in der Reichspressekammer vom 12. September 1939 muss die ABK wegen Papiereinsparung ihr Erscheinen einstellen. Am 30. Oktober 1939 ergeht die Verlautbarung, dass die ABK überhaupt aus der Liste der Zeitschriften gestrichen worden sei.

1946 wird mit dem Bonifatiuswerk auch die ABE wiederbelebt. Als ihr Presseorgan wird die Zeitschrift „Lebendiges Zeugnis“ gegründet, wobei der neue Titel schon als programmatische Aussage gedacht ist. Zunächst erscheinen Materialhefte mit einem begrenzten Nachrichten- und Korrespondenzteil. Bald bildet sich ein eigener Charakter der Zeitschrift heraus durch die Erscheinungsweise als Themenhefte, die bis heute viermal im Jahr im Umfange von etwa 80 Seiten erscheinen. „Zu zeitnahen Fragen aus Kirche und Welt werden vertiefte Glaubensinformationen vorgelegt; sie wollen Orientierung geben und beitragen zum Leben und Handeln aus dem Glauben in Verantwortung für Kirche und Welt.“ (vgl. Riße/Kathke, Diaspora, ebd. S. 79.).

Norbert Fiedler