



Stichwortsuche
Startseite
Liebe Leserinnen und Leser,
der ländliche Raum ist in Bewegung, gesellschaftlich, ökonomisch, religiös und kirchlich. Der Wandel ist uneindeutig, Land ist nicht gleich Land, und jede Entwicklung produziert ihre Komplementärbewegung – ganz im Sinne der kultursoziologischen Prognose von Gerhard Schulze, der in Steigerung und Ankunft simultane Existenzformen der voranschreitenden Moderne sieht. Wobei sich das Thema der Ankunft gerade deshalb immer mehr in den Vordergrund schieben, weil die Reise der Steigerung immer noch weiter gehe.
Der demographische Wandel lässt ländliche Gegenden ausdünnen und fördert gleichzeitig neue Vernetzungen. Der Rückzug von Institutionen führt zur „Entdifferenzierung“ und stärkt unter bestimmten Bedingungen bürgerschaftliches Engagement. Traditionelle Generationenbeziehungen verändern sich grundlegend und bleiben trotzdem belastbar. Die Landwirtschaft nimmt industrielle Züge an, und gleichzeitig wächst der Sektor nachhaltigen
Landwirtschaftens. Das Amalgam von ländlicher Kultur und Christentum löst sich auf, und trotzdem sind Kirche und Glaube im öffentlichen und privaten Leben weiterhin bedeutsam.
Landpastoral ist herausgefordert, sich als Akteur des Sozialraumes Dorf zu verstehen, zu vernetzen und Engagement und Partizipation zu stärken und dort zu kreativen und unkonventionellen Lösungen beizutragen, wo sich aufgrund des demographischen Wandels Institutionen zurückziehen.
Das vorliegende Heft thematisiert wissenschaftlich und erfahrungsbasiert ausgewählte Aspekte der Landpastoral. Der Beitrag unter der Rubrik „Aktuelles“ erinnert an die Machtübernahme der Nationalsozialisten vor 80 Jahren.
Besorgt haben diese Ausgabe Dr. Hubertus Schönemann, Julia Brodersen-Schäfers und Matthias Micheel. Herzlichen Dank dafür.
Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen Ihr
Schriftleiter Prof.Dr. Hans Hobelsberger